Was auch Gel-Duscher verblüfft

Bergamotte für gute Laune, Schwarzkiefer gegen Erkältungen: Margot Redelsteiner veredelt mit 150 ätherischen Ölen ihre selbst gemachten Naturseifen.

Auf die Etagere schlichten die meisten Menschen in diesen ersten Adventtagen ihre Kekserln. Margot Redelsteiner bestückt ihr Gestell mit Badepralinen und Seifen-Cupcakes. Fein säuberlich – im wahrsten Sinne des Wortes – präsentieren sich ihre Seifen im Schaufenster unter den Spitzenvorhängen. Für jene, die draußen auf dem Gehsteig vorbeieilen, wirken sie wie Farbtupfer im grauen Blickfeld der Großen Sperlgasse, gegenüber vom Wiener Kriminalmuseum. Drinnen schaut es ein bisschen aus wie in einem hellen Kinderzimmer. Der Duft tut sein Übriges: wohlig warm, nicht künstlich seifig. „Im Sommer, wenn wir die Tür offen haben, riecht man uns schon in der Haidgasse“, sagt Redelsteiner lachend.

„Machma Naturseife“ steht neben dem Geschäftseingang. „Ma“ für Margot, „Ch“ für Charly, wie sie ihren Lebensgefährten ruft, und das zweite „ma“ für Marksteiner, wie Charly im Nachnamen heißt. Für die beiden bedeutet es aber auch eine Aufforderung, eine Lebensentscheidung, die sie getroffen haben. „Er aus einer Sinnkrise, ich aus einem Burn-out heraus“, erklärt Redelsteiner, die schon in den 1990er-Jahren ätherische Öle gesammelt und verkauft hat. Da fehlte ihr aber irgendwie der praktische Bezug. Gemeinsam hatten die beiden dann die Idee, die Öle zu hochwertigen Seifen zu verarbeiten. Sie begann, sich einzulesen und absolvierte Kurse. Er weiß ergänzend aus seinem Biologiestudium über chemische Vorgänge bestens Bescheid. „Von den Rohstoffen, vor allem den ätherischen Ölen, hängt die Qualität der Seifen ab“, erklärt er.

Auf der Website beschreiben sich die beiden so: „Wir sind eine kleine Firma mit nur zwei Menschen. Es steht kein riesiges Franchise-Imperium hinter uns, und wir arbeiten auch nicht nach dem Schneeballsystem (Networkmarketing)“. Während viele Geschäftsbesitzer sich durch den Druck der Internetkonkurrenz mit neuen Online- Vertriebsmöglichkeiten beschäftigen, lief es bei Machma umgekehrt: Das stationäre Geschäft existiert erst seit drei Jahren, den Onlineshop gibt es schon seit 2007. „Wo können wir die Seifen nachkaufen?“, fragten damals die Leute am Marktstand, erzählt Marksteiner – und fügt gleich hinzu: „Natürlich jene, die unsere Produkte schon kennen. Im Wesentlichen geht es ja immer ums Riechen und Angreifen.“ Das Gefühlsargument sei wichtig: „Das Schnuppern und Spüren, wie weich-cremig sich das anfühlt. Da schauen sogar abgebrühte Gel-Duscher erst einmal verblüfft.“

Seife aus Bier. Insgesamt kommt Machma auf eine Vielfalt von rund 150 Duftsorten. Die Partner probieren ständig Neues aus. So zum Beispiel die Guinnessbier-Seife, die nach Müsli riecht, durch das viele Malz aber auch süßlich. Der größte Renner sind die Haarseifen, die man anstatt eines flüssigen Shampoos circa 15 bis 20 Sekunden am Kopf reibt – solange, bis es schäumt. Speziell für ältere Menschen, Kinder oder besonders empfindliche Haut passt die „Natur Pur“-Linie ohne Duft- und Farbstoffe. Abwechslung gibt es trotzdem durch die verschiedenen Hauptöle aus Traubenkernen, Ringelblumen, Sesam und so weiter.

„Die fetten Öle sind das Wichtigste“, sagt Redelsteiner. „Sie machen 95 Prozent der Seife aus.“ Hanföl beispielweise hat besonders viele ungesättigte Fettsäuren. Dadurch regeneriert sich die Haut schneller. Ein Vorteil, den Menschen mit unreiner Haut oder Akne zu schätzen wissen. Mohnöl, Kakaobutter und Sonnenblumenöl: Alle diese Hauptöle stammen aus zertifizierter Bio-Produktion. Bei den ätherischen Ölen geht das nicht immer. „Da beziehen wir von Kleinbetrieben“, erklärt Margot Redelsteiner.

Gerührt und nicht gesiedet. Sie kommt ins Schwärmen und erzählt von der französischen Bäuerin, die vom Berg den wilden Lavendel holt und zum Öl destilliert. Ihre persönliche Lieblingsseife ist die Avocadoseife. „Ich bin ja nicht mehr ganz jung, und die ist extrem rückfettend“, sagt sie. „Mit der wird die Haut geschmeidig und elastisch.“Margot Redelsteiner stellt ihre Naturseifen im kaltgerührten Verfahren her. Das bedeutet, dass sämtliche Zutaten nur bis maximal 40 Grad erhitzt werden. Die Nährstoffe, ungesättigte Fettsäuren und Vitamine, bleiben dadurch erhalten. „Mischt man Lauge und Fettsäure zusammen, dann neutralisiert sich das. Ein Salz entsteht“, erklärt sie den Vorgang. „Die Esterbindung der Triglyceride wird gebrochen, und dabei bildet sich das Salz der Fettsäuren: die Seife“, wirft der Biologe ein.

Was bei der Verseifung ebenfalls entsteht, ist Glyzerin. „In der herkömmlichen Herstellung wird es herausgelöst und wegen seiner feuchtigkeitsspendenden Eigenschaft beispielsweise für Hautcremen oder sogar für Spachtelmasse verwendet“, sagt Redelsteiner. „Der Seife fehlt das aber. Sie macht dann zwar sauber, aber pflegend ist sie nicht.“

Besonders pflegend sind Milchseifen. Sie seien so cremig, dass sich Leute mit trockener Haut nach dem Duschen nicht mehr eincremen müssen. „Wenn man aus der Wanne steigt, dann ist man selbst cremig wie eine Praline“, sagt sie lachend – mit Blick auf die Badepralinen im Schaufenster.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 04.12.2016)

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