In alten Theaterstücken hieß es im Drehbuch „Darkness falls“ zwischen den Szenen.

Anmutig wie Schneeweißchen und Rosenrot wirkt das Dream-Pop-Zweiergespann. Die dänische Melancholie haben sie ins Herz geschrieben und in Töne umgewandelt. Juliane Fischer hat an einem frühwinterlichen Novembertag das Duo auf einen Kaffee in ihrem Kopenhagener Studio besucht.

Wohnt ihr schon immer hier in Kopenhagen, oder seid ihr in die Stadt gezogen?
Josephine: Wir sind von hier und wir sind gerne hier.
Ina: Ich wohne eher am Stadtrand. Ich habe einmal versucht woanders zu leben, mit 19 war ich in Guatemala für ein halbes Jahr, und ich mochte es auch, aber seit dem komme ich irgendwie auch gar nicht mehr weg von Kopenhagen. Es gibt immer etwas, das uns in dieser Stadt hält. Man findet nicht so leicht einen Zeitpunkt um sich eine Auszeit zu nehmen.

Ich nehme an, ihr habt euch auch hier getroffen?
Josephine: Ja, wir kennen uns seit 10 Jahren. So lange machen wir auch schon Musik gemeinsam. Bis 2005 hatten wir zu sechst eine Girls-Ska-Band. Dann ging Ina auf die Filmschule und ich hatte eine andere Band. 2009 haben wir beide begonnen diese komplett andere Art von Musik zu machen.

Wie hat sich diese Dreampop-Richtung entwickelt? Ska-Punk ist doch eine etwas juvenile Art von Musik – Wie hat sich euer Geschmack entwickelt?
Josephine: Mit dem Alter ändert sich nicht unbedingt der Musikgeschmack, aber der Sinn für Musik. Als wir begonnen haben Musik zu machen, waren wir an einem ganz anderen Punkt in unserem Leben, wie du schon sagtest. Nun hat sich das geändert und deswegen ist klar, dass sich auch das Produkt verändert hat.

Inwiefern sind eure Lieder von dem beeinflusst was ihr hört?
Josephine: Es gibt da bestimmt eine Verbindung. Als wir mit Darkness Falls gestartet haben, waren wir uns einig, etwas Introvertierteres zu machen. Uns war nach einem Kontrapart zum Extrovertierten aus sich herausgehenden Ska. Uns war und ist wichtig eine gewisse Atmosphäre zu erzeugen. Ich glaube, wenn man unsere Musik hört, wird man in eine spezielle Stimmung gewogen, weil es so eine melancholischen Schwingung erzeugt. Außerdem glaube ich, dass wir was den Sound angeht, von älteren Bands beeinflusst wurden.

Wir hatten zu Beginn gar keine Ahnung vom Produzieren und wir standen immer bei der Frage an, wie wir zu dem Sound kommen, den wir uns vorstellen. Das Rohmaterial war da, aber wir hatten keine Ahnung von Verfeinerung und vom sozusagen Schleifen des Diamaten. Diese Situation machte uns zu regelrechten Nerds. Wir haben beide fachliches Wissen angehäuft und uns Fragen gestellt wir beispielsweise: „Nancy Sinatra´s Stimme klingt bei diesem Lied so gut, wie könnten wir so einen Sound hinkriegen? Klar können wir nicht aufnehmen wir in den 50igern, aber es ist eine Anregung des Geschmacks und der technischen Umsetzung mit der wir arbeiten.

Trentemøller hat eurer Album teilweise mitproduziert. Wie hat er sich eingebracht?
Ina: Manche Songs hatten wir schon fertig und er hat sie dann produziert, also der Old School Weg, wo er das Recording Material von uns bekam und dann seine Magie anwandte. Bei einigen Liedern war er schon früher im Prozess eingebunden und wirkte als das dritte Ohrenpaar, als außenstehende Meinung.
Josephine: Der Arbeitsprozess mit ihm war sehr einfach, weil wir den selben Musikgeschmack haben, viele Old School Bands, viele Indie Bands. Wir haben einen ähnlichen Zugang.

Wie kam es überhaupt zu dieser Zusammenarbeit?
Ina: Wir haben jede Menge Tracks gemacht und ihm zwei vorgespielt, weil wir ihn schon zuvor kannten. Er hat begeistert reagiert und gefragt, ob er versuchen kann, die zwei Lieder zu produzieren. Bei den zwei Tracks hat er eigentlich nicht so viel gemacht, wir hatten relativ genaue Vorstellungen, wie es klingen sollte. Dann hat bei der EP und Album auch mitgearbeitet.

Ist die dänische Musikszene gut vernetzt?
Josephine:Bestimmte Teile der Musikszene sind miteinander vernetzt. Es gibt einige Bands mit denen wir gar nichts zu tun haben, aber „unsere Musikszene“ ist ziemlich untereinander verbunden. Wir helfen einander, spielen in den anderen Bands und auf den anderen Aufnahmen. Diese große Kopenhagener Szene ist momentan sehr lebendig, es tut sich in letzter Zeit viel.

Gab es diesen Aufschwung also erst kürzlich?
Josephine: Ja, ich spüre eine riesige Veränderung in den letzten 10, oder zumindest 5 Jahren. Die dänische Musik reichte früher – bis auf Aqua vielleicht – nicht über die Landesgrenzen hinaus. Das war nicht so wie mit Schweden. Aber nun touren dänische Bands auch im restlichen Europa und in den Staaten.

Glaubt ihr, spielen international ausgerichtete Festivalkooperationen wie das Spot on Denmark in diesem Prozess auch eine Rolle?
Diese Aufbruchstimmung und der Schwung an kreativer Stimmung war schon davor. Spot on Denmark ist eher das Resultat. Es hilft den dänischen Musikern definitiv im Ausland bekannt zu werden.

Diese vorhin angesprochenen einzelnen „Musikerkreise“, Labelfamilien, etc. – Welche Bands wären beispielsweise aus eurem Umfeld zu nennen?
Es gibt bestimmt einige Musik“familien“ mit Bands, mit denen wir nicht so viel zu tun haben und dann unser Umfeld mit Leuten, mit denen du öfter zusammenarbeitest. Chimes and Bells, Choire of Young Believers, Giana Factory, Marie Fisker, natürlich Trentemøller, When Saints Go Machine und 4 Guys From The Future.

Ha, vielversprechender Bandname. Apropos: Hat eurer Bandname was mit dem US-Horrorfilm „Darkness Falls“ zu tun?
Josephine: Du bist die erste, die das fragt, im Ernst. Nein, das kommt gar nicht davon.
Ina: In alten Theaterstücken, von Shakespeare beispielsweise hieß es im Drehbuch „Darkness falls“ zwischen den Szenen. Heute würde man wahrscheinlich „Light out“ sagen.

Wie poetisch!
Josephine: Für uns passt das sehr gut, weil etwas hat gerade geendet und eine neue Szene beginnt. Ganz generell mag ich es zu denken, in dieser Dunkelheit zwischen den Szenen warten die Chance auf eine neue Erfahrung und alles was man gerade erlebt hat, kann nachwirken. Ein schöner Zwischenzustand. Die Pause zwischen den Akten ist voll mit neuen Möglichkeiten und man gespannt, was die Zukunft bringt.
Ina: Shakespeare, keinen Horrorfilm!
Josephine: Aber du hattest recht: Es kommen die wildesten Assoziationen oft, wenn man „Darkness Falls“ hört. Es gibt auch eine Metalband, die sich „When Darkness falls“ nennt.

Zum Glück schlägt es bei euch weniger in die aggressive Richtung, als in die melancholische aus. Ist es euch ein Bedürfnis, mit der Musik so eine melancholische Stimmung zu erzeugen?
Beide: Ja.

Für mich ist es ein wirkliches Winteralbum.
Ina: Da hast du absolut recht. Es ist auch sehr skandinavisch, finden wir. Normalerweise wird es zu dieser Jahreszeit schon so früh dunkel. Es kann passieren, dass es nur fünf Stunden pro Tag wirklich hell ist.

Habt ihr schon einmal an einem heißen sonnigen Festivaltag gespielt?
Ina: Nein, du hast recht, das wäre ungewohnt, aber es ist ja ein Gefühl, es muss nicht kalt dafür sein.
Josephine: Erstens finden wir, dass es zur Musik gut passt, das ist mit der Stimmung einfach unweigerlich verbunden und zweitens drückt es unsere Wurzeln gut aus.

Was mögt ihr an Dänemark?
Ina: Ich finde es schön, dass wir Jahreszeiten haben, die so unterschiedlich sind. Oft wartest du schon sehnsüchtig auf den Frühling und den Sommer, aber irgendwie genieße ich auch die kältere Zeit. Ich finde es so cool, dass sich der Lebenswandel so ändert mit den Jahreszeiten. Die Leute passen sich an und machen das beste bei jeder Witterung. Im Sommer wird das warme Wetter wirklich maximal ausgenutzt, weil es ja nur so eine kurze Zeitspanne lang heiß ist. Das Leben spielt sich im Freien ab. Wenn es Herbst sitzen wir im Kerzenlicht und treffen uns zum Tee trinken. Das soziale Leben ändert sich auch. Es ist immer anders und nie langweilig. Außerdem haben viele Dänen diese melancholische Seite – es passt also, dass wir so viel Zeit drinnen verbringen und Musik machen.

Da bin ich auch dafür!

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