Warum macht uns Verlieben glücklich?

Das Verliebtheitshormon ist ein Glücklichmacher, weil es das Belohnungssystem im Gehirn anspricht. Danach übernimmt das Bindungshormon.

Positive Grundstimmung plus Aufgeregtheit. Das ist das Rezept für Vorfreude und das herzflatternde Glücksgefühl, wenn es zwischen zwei Menschen funkt. „Es ist eine freudige Erregung. Im Hormonhaushalt passiert alles mögliche“, sagt die Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher über die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch. Unsere Herzrate beschleunigt, die Hautleitfähigkeit geht in die Höhe. An diese physiologischen Reaktionen sind Emotionen gekoppelt.
Das verdanken wir dem Verliebtheitshormon Phenylethylamin (PEA) – „ein Glücklichmacher und körpereigenes Opiat, das unser Belohnungssystem im Gehirn anspricht“, erklärt Oberzaucher. Das PEA bewegt uns dazu, dass wir diesen besonderen Menschen aufsuchen und mit ihm Zeit verbringen wollen. Wenn sich Frischverliebte treffen – in verringertem Maß funkt es auch telefonisch – fördert das die Ausschüttung der PEA.
Hormon als Initialzünder
Verliebtheit tritt nur am Anfang einer Beziehung auf. Dank der Hormone setzen wir uns – natürlich mit einer rosa Brille auf der Nase – mit dem Gegenüber auseinander. Wir sammeln Information und arbeiten an einer gemeinsamen Basis, die dann möglicherweise die Grundlage für Liebe darstellt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung schief geht, ist in dieser Phase naturgemäß hoch. Wenn wir im Hormonrausch nichts entdecken, woraus sich ein solides Fundament entwickeln kann, entsteht keine dauerhafte Bindung.
Denn das Verliebtheitshormon PEA ist nur Initialzünder. Es versichert nicht, dass wir den Nachwuchs gut versorgen. Es wird nämlich nur am Beziehungsbeginn produziert. Nach circa eineinhalb Jahren fällt der hormonelle Belohnungsmechanismus, der mit dem Verliebtsein verbunden ist, weg. Dafür kommt ein anderes Hormon ins Spiel: das Oxytocin, dem Kitt für die langfristige Bindung, egal ob es um Paare oder Mutter-Kind-Beziehungen geht. „Es ist ein Wundermittel, das bei der Geburt und beim Stillen, beim Orgasmus und überhaupt bei jeglicher Form von sexueller Stimulation eine Rolle spielt“, sagt Oberzaucher.
Die Verliebtheit ist der erste Schritt für Paarbindung. Das macht das Thema für Verhaltensbiologen interessant. „Vermutlich stammt das Phenylethylamin aus einer Zeit, wo die Paarbindung für die Versorgung der Nachkommen noch keine so große Rolle gespielt hat“, meint Oberzaucher. Eine Spekulation, die Ausgangspunkt für weitere Studien zur evolutionären Entwicklung sein könnte. „Das Verlieben hat natürlich ursprünglich die Funktion, dass wir uns Fortpflanzen“, sagt sie. Dass wir darüber nicht bewusst nachdenken, sei aber genauso ein Faktum. „Wir suchen eigentlich einen Partner, weil uns das glücklich macht und wir nicht allein sein wollen“, meint sie und fügt hinzu: „Schließlich haben wir auch nicht Sex um Nachwuchs zu zeugen, sondern weil es uns Spaß macht.“
Oberzaucher forscht rund um das Miteinander der Geschlechter, von der Kommunikation über kognitive Strategien bis hin zur Partnerwahl oder Fortpflanzungsbedingungen. In einem ihrer aktuellen Projekte fand sie etwa heraus, dass Männer dazu neigen, den Verliebtheitsgrad ihres Gegenübers zu überschätzen, während Frauen die Verliebtheit des anderen eher unterschätzen.

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